Stoffdiät 2018

Hallo Ihr Lieben,

ich hatte mal eine Stoffsammlung. Vielfältig, reichhaltig, kuratiert: Für jedes spontane Projekt war etwas dabei. Stoffe kamen und gingen. Manchmal kam mehr hinzu, manchmal gingen mehr. Alles in allem hat es sich gut angefühlt.

In der letzten Zeit kam mehr dazu. Und noch mehr. Das Privat- und Arbeitsleben war sehr anstrengend und so habe ich in kurzen Pausen zur Entspannung Stoffinspiration gesucht und gefunden, offline und online. Und statt am Samstag Nachmittag spontan ein Nähprojekt zu beginnen habe ich mich nochmal an den Schreibtisch gesetzt. Das konnte nicht unendlich lange gutgehen. Und deswegen mache ich dieses Jahr mit bei der Stoffdiät, die Küstensocke mit Riesenerfolg schon seit zwei Jahren vormacht.

Meine Ziele und Nebenziele für die Stoffdiät 2018:

  • Mein Ziel sind mindestens -1m. Das klingt nach nichts im Vergleich zu den super ehrgeizigen Zielen der anderen, die auch dreistellig sind. Stoffe werden nur ersetzt. Wenn etwas rausgeht, darf etwas rein. Sobald etwas reinkommt, muss auch wieder etwas raus.  Das bedeutet für mich, mir genauer zu überlegen, ob ein Stoff in die Sammlung einziehen darf. Wann, weshalb, wie passt er zu den anderen? Und es soll ein klares Minus sein, nicht plusminus Null. Mein heimliches Ziel wären -50m, aber da ich nicht abschätzen kann, ob wieder Nullnähmonate auf mich zukommen, ist kein Zuwachs das harte Ziel.
  • Zur Erfassung habe ich ein ganz kleines Büchlein (6 mal 10 cm), das nun immer dabei ist und in das die Zugänge wie auch Abgänge notiert werden.
  • Dort steht auch schon, dass der Januar kein Glanzmonat war und ich jetzt mit einem Plus in den Februar starte. Baumwollstoffe für zwei Babydecken und Sweatstoffe für die Sommerurlaub-Ausstattung sind eingezogen. Da bin ich mal gespannt, wie sich entwickelt. Drückt mir die Daumen.
  • Ich zähle keine Einlagen oder Futterstoffe mit. Da ist die Sammlung auch nicht so groß. Tatsächlich habe ich bisher nicht den Warenkorb auf diese Weise aufgefüllt, um über die berüchtigte hochgefährliche Versandkostenfrei-Schwelle zu kommen.

Zur Inspiration habe ich nicht nur Stoffe genutzt, sondern auch Blogs und so sind auch ein paar Ideen jenseits meiner Kleidungsnäherei entstanden. Es soll dieses Jahr nicht nur Kleidung genäht werden. Ich war bisher keine große Taschen-, Deko- und sonst-Näherin. Und ich möchte mal herausfinden, ob es in Zukunft so bleiben soll oder ob ich da Gefallen dran finde.

Auf jeden Fall würden auf diese Weise einige Reste wegkommen können. Und es müssen die zwei oben erwähnten Babydecken entstehen.

Und damit bin ich bei der Stoffdiät dabei.

Bis bald wieder.

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Jahresrückblick 2015

Hallo meine Lieben,

schwuppdiwupp und das Jahr ist zu Ende. Wie oft verschwanden die letzten Wochen in einem gefühlten Zeitraffer. Da ist auch nicht so unheimlich viel mit Nähen gewesen.

Endofyear

Dieses Jahr war definitiv ein Nähnerdflauschjahr! Schon lange hatte ich überlegt zu bloggen (manches braucht etwas länger), im Frühjahr fing ich an. Nicht, ohne vorher einige der tollen Nähbloggerinnen live erlebt zu haben, nämlich beim Nähbloggerinnentreffen in Leipzig. Der ‚Ja, doch, Du musst, mach mal, würde mich freuen wenn Du auch‘ – Zuspruch führte mich auf Namenssuche und dann ging es los. Danke Euch dafür!

Ich machte bei dem einen oder anderen Sew-Along mit, fuhr zur AnnäherungSüd, war bei dem Nähbloggerinnentreffen in Köln dabei und das Leipziger Nähtreffen war auch sehr schön. Und überall, online wie offline, begegnete ich Frauen, die sehr freundlich und hilfsbereit waren, und mit denen mich auf Anhieb etwas verband. Unabhängig vom Nähanspruch, Stil, Lebenssituation usw. (Dazu hat siebenhundertsachen einen ganz tollen Post geschrieben.)

Was nicht ganz so funktioniert hat, wie ich es mir gewüncht hätte, war meine MeMadeMittwoch-Teilnahme. Die Blogpost – Bilder – Zeitpunkt – Koordination hat nicht so ganz geklappt. Insgesamt mus ich mir noch eine bessere Bilderstrategie einfallen lassen. Das soll im neuen Jahr besser werden. Habt Ihr Tipps?

Nähtechnisch entwickelte sich das Jahr zu einem sehr klaren Jerseyjahr. Das war zu Beginn sichtbar aber nicht absehbar. Es fing mit einem Probewickelkleid an. Der Schnitt und das Kleid gefielen, ersterer wurde noch etwas verbessert und hatte dann beim Kleines Schwarzes – Sew Along seinen großen Auftritt. Das Kleid wird auch sehr gerne getragen und soll auch noch ein, zwei Freunde bekommen. Außerdem gab es den einen oder anderen Jerseyrock. Insbesondere als dann der Schnitt Brume (von deer and doe) herauskam, war es um mich geschehen. Da sollen auch nochmal ein oder zwei im neuen Jahr dazukommen. Weitere Jerseykleider waren auch noch dabei (das Natalie dress und das Annäherungskleid, letzteres leider auch noch nicht als fertiges Kleid gebloggt).

Ganz unverhofft hat mich die Dessousnähsucht (als DNS bekannt) erwischt. Das war nochmal eine Steigerung in der Kategorie flutschiger Jerseys, aber eine sehr interessante Reise, die noch lange nicht beendet ist.

Mit Webstoffen nähe ich wesentlich genauer als bei Jersey, dafür verzeiht letzterer leichter Schiefe und Passformschwierigkeiten. Den Reiz davon habe ich dieses Jahr zu schätzen gelernt. Das möchte ich nicht hinter mir lassen, im neuen Jahr aber auch wieder vermehrt mit Webstoffen arbeiten. Alles wie dieses Jahr und noch viel mehr? Da bin ich selbst gespannt, wie ich die Balance halte.

Euch allen wünsche ich allen alles Gute für das neue Jahr, viel Kraft, Gesundheit und natürlich Nähzeit.

Bis bald wieder.

 

#bloggerfürflüchtlinge: Wer ist denn nun ein Flüchtling?

Hallo meine Lieben,

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die Bilder der letzten Tage und Wochen sind für mich überwältigend gewesen. Die Bilder des Leids und Unrechts, aber auch diejenigen der Selbstlosigkeit, der Hilfsbereitschaft, der Freude. Zwischen all das schiebt sich immer wieder ein Gedanke: Es ist zu unterscheiden zwischen Flüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen. Mal ist es ein Kommentar zwischendurch, mal die Forderung eines Politikers oder die pauschale Deklaration sicherer Herkunftsländer.

Ist da wirklich zu unterscheiden? Ist die Unterscheidung künstlich? Ist sie vielleicht gar nicht möglich? Die Genfer Flüchtlingskonvention ist von 1951 (Europa) und 1967 (weltweite Erweiterung) und regelt die Rechte von Flüchtlingen. Die Flüchtlingsströme nach dem Krieg, die zuvor gemachten Erfahrungen und Beobachtungen haben viele Staaten bewogen, sie zu ratifizieren. Gleichzeitig legt sie eine klare Trennung fest. Ein Flüchtling ist verfolgt und genießt nicht den Schutz seines Landes, ein Wirtschaftsflüchtling möchte nur seine wirtschaftliche Lage verbessern und genießt noch den Schutz seines Landes.

Ich frage mich, wann die Flüchtlinge aus Deutschland den Status von Wirtschaftsflüchtling zu Flüchtling geändert hätten. Wann war Deutschland kein sicheres Herkunftsland mehr? Es gab doch nur eine Wirtschaftskrise. Oder doch nicht? War es 1930, 1932, 1933, 1939 oder erst 1944? Kann man das auch nur retrospektiv festlegen? Ich bin keine Historikerin, aber ich wage die Behauptung, dass es nicht einen festen Zeitpunkt für alle gab. Und dieser sollte dann auch von außen sichtbar und überprüfbar sein können?

Jeder reagiert auf Unterdrückung unterschiedlich. Der Eine möchte nicht weg, auch wenn er als Dissident immer wieder im Gefängnis landet, der Andere fühlt sich verfolgt, wenn es ihm auf Grund seiner Herkunft oder politischen Überzeugung nicht möglich ist, ein Studium zu ergreifen. Und noch ein Anderer will sich nicht immer auf die Zunge beißen müssen. Der Bereich dazwischen ist fließend.

Alle von ihnen und auch diejenigen, die einfach mehr Geld verdienen wollten, wurden in der BRD willkommen geheißen, wenn sie aus der DDR geflohen waren. Da waren pauschal alle Flüchtlinge. Jetzt gibt es pauschal sichere Herkunftsländer. In sicheren Herkunftsländern wird niemand verfolgt. Was wohl Snowden dazu sagen würde? Oder sind die USA kein sicheres Herkunftsland?

Vielleicht könnten wir den Gedanken zulassen, dass nicht jeder, der hierherkommt, ein Asylbetrüger und Schmarotzer ist, pauschal mal.

Vielleicht sind einzelne Menschen verfolgt, vielleicht gibt es auch Entwicklungen, die neue Verfolgten- und Flüchtlingsgruppen zur Folge haben. Und vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, ist es für manche genauso schlimm zuzusehen, wenn ihre Kinder verhungern, weil ihnen selbst keine Möglichkeit gegeben ist , für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Man verlässt nicht die Heimat leichtherzig.

Deswegen: Refugees welcome.

Viele Bilder, Geschichten und Gedanken werden auch über die Initiative Blogger für Flüchtlinge getragen, die für Flüchtlinge Spenden sammelt und mittlerweile eine sehr breite und vielfältige Mischung an Beiträgen aufweist, manche analytisch, andere emotional. Es lohnt sich hineinzulesen.

Bis bald wieder.

Zwei Seiten des Nähens

Hallo meine Lieben,

in den letzten Tagen ging eine Diskussion durch die Nähnerdblogwelt (siehe unter anderm bei Frau Crafteln, Julia von sewinggalaxy, nochmals Frau CraftelnMichou, …). Nähe ich, was ich gut gebrauchen kann oder worauf ich gerade Lust habe, von Mamamachtsachen auch als Kopf- und Herznähen bezeichnet. Dabei kamen viele interessante Fragen auf. Wie finde ich meinen Stil? Wie beständig ist er? Wie gehe ich mit Kleiderordnungen um? Wieso nähe ich den gleichen Schnitt wiederholt? Welche Kleidung passt in meine Welt? Wie gestalte ich mir diese Welt?

Und weitere Fragen drängen sich mir in den Sinn? Was ist denn Nähen? Was ist für mich Nähen? Und damit: Was ist das Ziel meines Nähens, wenn es denn ein solches gibt?

Für mich bietet Nähen als eine kreativ handwerkliche Tätigkeit einen wunderbaren Ausgleich zu meinem kreativ intellektuellem Beruf. Zu diesem Zweck würden sich auch andere Dinge eignen. Nähen besitzt an dieser Stelle für mich kein Alleinstellungsmerkmal.

Andererseits habe ich in meiner Schulzeit sehr gezielt zu Nähen begonnen. Ich wollte Kleidung haben, die anders war, die mir entsprach, und mit der ich mich dem Marken- und Stildiktat auf elegante Weise entziehen konnte. Von Anfang hatte ich damit ein Ziel; zu Nähen war ein Mittel zum Zweck. Erst auf dem Weg kam die Lust an der Schönheit dazu, der Schönheit perfekt gesteppter Nähte, streichelzarter Stoffe oder eines traumhaften Sitzes der Kleidung. Das Nähen entwickelte einen Zweck an sich. Ich wollte mit jedem Projekt dazulernen und mich dieser Schönheit annähern.

Das sind für mich zwei sehr unterschiedliche Dinge. Zum Einen die Beschaffung von Kleidung, die meinem Stil und meinen Wünschen entspricht. Zum Anderen die Tätigkeit an sich. Nebenbedingungen, wie zum Beispiel Finanzen mal außen vor gelassen, könnte ich meine Kleidung auch herstellen lassen. Wenn es nur darum ginge, genau die Kleidung zu haben, die ich jetzt nähe, könnte ich sie statt sie selbst zu nähen auch nähen lassen. Trotzdem würde mir etwas fehlen, der Prozess. Die Tätigkeit als Hobby wäre verschwunden.

Als ich mich diesem Hobby anfing, habe ich mich mit jedem Projekt gesteigert. Jedes Projekt bot eine neue Herauforderung. Die Details oder Verarbeitungsschritte, die neu hinzukamen, wurden mit der Zeit subtiler oder die Projekte aufwendiger. Ich denke, diese Idee der steten Herausforderung steckt auch hinter den ‚French Jacket‘ (aufwendige Verarbeitung), Bademoden (neues Material), Vintage (Authentizität) oder Unterwäsche (Spezialmaterialien)-Strömungen.

Diese Lust der steten Verbesserung seiner Fähigkeiten sehe ich in vielen Hobbies, sei es Briefmarken Sammeln, Golf Spielen oder Tauben Züchten. Indem man sich immer wieder neue Ziele setzt, vermeidet man die Langeweile. Indem man sich selbst die Ziele setzt, kann man Leistungsdruck entgehen. Das Nähen besitzt neben der Hobby-Eigenschaft noch den produktiven Nebeneffekt tragbarer Kleidung. Das Zusammenspiel dieser beiden Aspekte, des Prozesses wie auch des Resultats, ihre mit jedem Projekt neu justierte Beziehung, führt manchmal zu Phasen, manchmal zu Einzelstücken, manchmal zu ganz neuen Nähthemen. Das dritte graue Shirt ist vielleicht langweilig, das elfte Cocktailkleid vielleicht ungenutzt und Pariser Designermode bildet vielleicht nicht die ganze Persönlichkeit ab.

Bis bald wieder.